Teilnehmende Bubble Crasher

Die eigene Filterblase

Allein der Titel klingt schon fast Angst einflößend. Und irgendwie war es das auch. Ich habe mich vorher noch nie so kleinschrittig damit auseinandergesetzt, wie mein Umfeld meine Meinungsbildung und in gewisser Weise auch mein Weltbild mitformt.

Mit Menschen reden, die ganz andere politisceh Überzeugeungen haben
Foto: Ev. Akademie Thüringen

Im Verlauf des Wochenendes habe ich festgestellt, dass meine engsten Kreise – also meine Filterblasen – sich gar nicht so stark unterscheiden, wie ich zunächst angenommen habe. Abgesehen davon, dass die Themen, die an der Oberfläche wichtig sind, andere sind, ist die politische Grundhaltung in allen Gruppen, in denen ich mich häufiger bewege, die gleiche. Klar, Nuancen sind unterschiedlich, aber ich bin es nicht gewöhnt, mein Verständnis von der Welt durch alltägliche Gespräche erschüttern zu lassen. Ich glaube aber, dass genau das passieren wird, wenn das Bubble Crasher-Programm erfolgreich ist.

Warum versuche ich überhaupt, meine eigene Blase zu verlassen? Schließlich fühle ich mich ja sehr wohl darin. Problematisch wird das Ganze für mich, wenn ich merke, dass ich nicht mehr sicher bin, ob mein Verständnis von bestimmten Dingen als allgemeingültig angesehen werden kann, oder es sich im Endeffekt „nur“ um meine Meinung handelt, von der ich allerdings nicht weiß, dass andere Menschen diese nicht zwingend teilen. Treten solche Situationen in meinem Alltag auf, erzeugen sie ein ungutes Gefühl. Mein erster Impuls ist dann meistens, die Gespräche zu verlassen, weil ich keinen Sinn darin sehe.

Wo treffen wir Menschen, die anders denken?
Foto: Ev. Akademie Thüringen

Warum brauche bzw. will ich diese Verunsicherung? Ich glaube, um nicht zu vergessen, dass es nicht nur mich, meine Filterblasen und meine Meinung gibt, dass andere Herangehensweisen genau so zu Ergebnissen führen können, und ich mich nicht über andere stellen sollte, nur weil sie eine andere Meinung zu einem bestimmten Thema haben. Der Sinn von Bubble Crasher soll sein, zu lernen, genau diese Spannungen auszuhalten, um ein besseres Verständnis für unterschiedliche Positionen zu erlangen, die eigene Filter Bubble zu reflektieren und so ein Stück weit unsere Gesellschaft besser zu verstehen.

Bubble Crasher ist also weniger Arbeit an Anderen, sondern Arbeit an mir selbst. Ich setze mich bewusst mit Personen auseinander, die aus meinem gewohnten Schema herausfallen, um mir klar zu machen, dass es eben nur das ist, ein Schema. Ich glaube, dass ich, wenn ich die Meinungsbildungsprozesse Anderer besser verstehe, auch meine eigenen besser sortieren, und im Laufe des Prozesses vielleicht auch weiter bestärken kann, weil ich genauer sagen kann, wie meine Meinung im Vergleich zu anderen entstanden ist.

(Julia, Teilnehmerin)